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Verknüpft statt zugenäht

Peter Weiß 0
Der Newsroom ist in aller Munde. Die Vorteile für eine integrierte Unternehmenskommunikation liegen auf der Hand. Die Organisationsform Großraumredaktion ist jedoch kein Allheilmittel – gerade für eine funktionierende Unternehmenskultur. Ein Plädoyer für eine noch engere Verknüpfung von interner Kommunikation und Personalabteilung.

Was haben diese Abteilungen in den meisten Unternehmen miteinander zu tun? Public Relations und Marketing. Vertrieb und Kundenservice. Interne Kommunikation und Human Resources. Die Antwort lautet: Nichts. Das Verhältnis dieser Bereiche schwankt oftmals zwischen stiller Ignoranz, gut gepflegter Hassliebe und gezielter Destruktivität. Teils liegt der Gegensatz begründet in einer Historie, in der die Abteilungen organisatorisch nicht unter einem Hut zusammengearbeitet haben. Teils weil die verantwortlichen Personen nicht miteinander klarkommen oder die Ziele der Bereiche konkurrierend formuliert sind. Häufig resultiert die schlechte Zusammenarbeit aber schlicht aus der Tatsache, dass sich zwei Bereiche für die selbe Zielgruppe verantwortlich fühlen. Wie lässt sich dieser sinnbefreite Zustand überwinden?

Koordinierte Kommunikation

Das Konzept einer integrierten Kommunikation, die eine einheitliche Kommunikation für die Zielgruppen Presse, Politik, Kunden und Mitarbeiter sicherstellen soll, hat seit einigen Jahren zu einer vermehrten Einrichtung von so genannten Newsrooms in der Unternehmenskommunikation geführt. Vor allem die externe und die interne Kommunikation sitzen hier in einer Großraumredaktion zusammen. Der Vorteil: Unternehmensthemen werden in agilen Arbeitsformen zielgruppenspezifisch und mediengerecht aufbereitet, und die Nachrichten werden zeitlich koordiniert ausgespielt. Um einen Information Overload für einzelne Zielgruppen zu vermeiden und die Einheitlichkeit von Botschaften zu gewährleisten, werden selbstverständlich die Themen des Marketings, von Investor Relations, Public Affairs, Kundenservice und HR ebenfalls in die Redaktionsplanung integriert.

Testfall Umstrukturierung

Auf dem Papier ist die Organisationsform Newsroom eine gute Lösung, um alle Kommunikationsaktivitäten unter einem Dach zu koordinieren – natürlich auch für die internen Zielgruppen. So ist beispielsweise sichergestellt, dass die Mitarbeiter von einer anstehenden Umstrukturierung mindestens zeitgleich aus der Presse und aus den internen Medien erfahren. Idealerweise wurden die Führungskräfte bereits vorab informiert und hatten vor der offiziellen Bekanntgabe Sprachregelungen und Präsentationen für ihre Teammeetings in ihrem Posteingang, die inhaltlich mit den Botschaften in den internen Medien übereinstimmen. Das Paket wird komplettiert von einer Videobotschaft des Vorstands oder All-Hands-Meetings an mehreren Standorten.

Koordinierte Kultur?

Eine solche konzertierte Aktion ist heute Standard in vielen Unternehmen. Und das zu Recht. Denn Unternehmenskommunikation ist immer auch ein formender Faktor für das Verhalten, den gegenseitigen Respekt und damit für die Kultur im Unternehmen. Doch für eine funktionierende Unternehmenskultur, die den Beitrag aller Mitarbeiter zum Unternehmenserfolg unbestritten maßgeblich beeinflusst, braucht es zusätzlich zum Konzept der integrierten Kommunikation eine stärkere Verknüpfung der Maßnahmen von Interner Kommunikation (IK) und Human Resources (HR).

Schnittstelle IK und HR

Denn gerade an der Schnittstelle von HR und IK gibt es eine Vielzahl von Maßnahmen, die Einfluss auf die Unternehmenskultur haben. Das fängt klein an bei der Verantwortung für die internen Mails und Verteiler, geht weiter über die Hoheit für das Führungskräfteportal und endet bei den großen Fragen, wer eigentlich das letzte Wort hat bei Form und Inhalten des Führungskräftemeetings oder bei der Mitarbeiterumfrage. Konflikte zwischen den beiden Bereichen führen beispielsweise zu Abstimmungsproblemen bei Maßnahmen der Organisations- und Personalentwicklung oder zu einer mangelnden Einbindung der IK bei Verhandlungen zwischen HR und dem Betriebsrat. Und lässt sich der Personalchef bei der Formulierung von Mails an alle Mitarbeiter eigentlich von der IK helfen? Wie wirken solche Diskrepanzen auf die Mitarbeiter im Unternehmen, die schließlich immer wieder zu bereichsübergreifender Zusammenarbeit und zum Verzicht auf Silodenken aufgefordert werden?

Die Perspektive entscheidet

Nicht umsonst war die IK in ihren (organisatorischen) Anfängen oftmals ein Teil von HR. Heutzutage ist die IK fast in allen Unternehmen ein Teil der Unternehmenskommunikation. Und das, wie oben beschrieben, aus guten Gründen. Doch wenn man ein Unternehmen konsequent aus der Perspektive der Zielgruppe Mitarbeiter betrachtet, und wenn man eine funktionierende Unternehmenskultur als entscheidenden Faktor für den Unternehmenserfolg betrachtet, kommt man um eine engere Verknüpfung der Aktivitäten von IK und HR nicht herum. Anders formuliert: Die für die Unternehmenskultur entscheidende Zusammenarbeit findet nicht im Newsroom statt. Gemeinsame Jour Fixe und ein kurzer Draht zwischen den Verantwortlichen der Bereiche wären wichtige erste Schritte.

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